Das Primärziel ist erreicht. 45sm in 8,5h. Ein guter Schnitt. Der Wind hat uns ordentlich aus NO angeschoben. Ziemlich geschafft aber glückselig beobachten wir das bunte Hafentreiben in Sassnitz.

Alles ist dabei: Fischer, Schaulustige, Ausflugsschiffe und kontaktfreudlige Gleichgesinnte aus den verschiedensten Revieren, die jetzt nacheinander anlanden. Nicht weit liegt der große Fährhafen.  Anlegemanöver machen übrigens auch passiv in Form der Beobachtung großen Spaß (was nicht alles auf das Wasser darf…).

Aber immer der Reihe nach:

Heute Früh um 4 Uhr sind wir in der Dämmerung aufgebrochen. Nicht alleine, viele Crews nutzen die frühe Gunst der Stunde. Es ist einfach ein unvergesslicher Moment. Langsam erhebt sich die Sonne am Horizont, die Farben werden wärmer, der Wind frischt auf, Stille. Man hört nur das Rauschen der Wellen und den Wind in den Segeln.

Eine Droge, die schnell ihre Wirkung im ganzen Körper freisetzt. Viele Segler berichten von einer Art „Trancezustand“. Jetzt weiß ich, was damit gemeint ist.

Langsam verschwindet das Festland. Die Ostsee färbt sich zunehmend blau, es klart auf und der Salzgehalt des Wassers wird spürbar auf Lippen, Haut und vor allem der Kajütfenster – Salzflecken! Leeseitig verwirbelt das Fahrwasser so auf, dass es unaufhörlich gurgelt und rauscht.

Zunehmend zeichnet sich entfernt Landmasse ab und später ein Teil der Kreidefelsen von Rügen. Was ein Anblick! Die Seebäder passieren wir backbords in Lee. Schließlich kommen die Fähren in Sicht, wir sind hör- und rufbereit auf Sassnitz Traffic.

Kurz vor der Ansteuerung wird es noch einmal richtig lustig:

Begünstigt vom Kapeffekt nördlich auf Luv fallen die Böen von den höhergelegenen Kreidefelsen runter und beschleunigen dabei ordentlich. Die Welle wird steiler und hackig. Wir müssen genau überlegen, wann wir die Segel bergen und den Motor einsetzen. Gegenan, würde er einfach nicht für genügend Vortrieb und Stabilität sorgen. Außerdem wollen wir den alten Japaner schonen. Zu allem Überfluss hat Sassnitz einer der längsten Hafenmolen Europas. Die muss erst einmal passiert werden. Vor der Einfahrt liegt zudem eine Reede. Heute zum Glück keine Hindernisse.

Schlussendlich gelingt das Einlaufen bei den Bedingungen erstaunlich souverän, wir arbeiten wie ein Schweizer Uhrwerk, auch beim Anlegen. Läuft – bis jetzt.

Da es wie vorhergesagt derweil stark aufbrist und morgen noch böiger werden soll – als wäre er nicht schon genug – werden wir in Sassnitz bleiben. Wandern, die Seebäder abklappern und vielleicht finden wir endlich Bernstein, den wir gewinnbringend veräußern können.

 

 

Die Ostseewelle

Hier möchte ich einmal die Ostseewelle würdigen. Es macht einfach Bock auf den 2-3m hohen Wellen mit längerer Dünung zu surfen. Anluven, dann schön den Wellenrücken runtersurfen und gleich die Nächste anpeilen. Bei jeder Talfahrt kribbelt es im Bauch, der Bug taucht weich ein. Man kann gar nicht genug davon bekommen. Die Ostseewelle, eine heimliche Liebe? Wer weiß, jede Diva hat ihre Schattenseiten.

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