Polen, wir kommen!

Polen, wir kommen!

Nach vielen kleinen Törns diese Saison stand uns nun der Sinn nach etwas mehr maritimen Flair, und da liegt nichts näher als ein Törn nach Świnoujście!

Die Wind- und Wetterprognosen für das Wochenende stehen perfekt: Am Freitag soll noch eine große Gewitter- und Regenfront über den Osten der Republik ziehen, danach soll das Wetter übers Wochenende sehr ruhig werden. Samstag westliche Winde um 2-3Bft, in der Nacht dann süddrehend, Sonntags dann 3Bft auf Süd. Beste Voraussetzungen um die Strecke von rund 26sm (Oneway) am Wochenende zu schaffen!

Samstag Morgen gegen 10 geht’s dann los, das Haff begrüßt uns mit Sonnenschein und einer leichten Brise aus WNW. Schnell sind Großsegel und Genua gesetzt, es geht gemütlich mit 4 Knoten Richtung Osten. Ebenso schnell ist das Frühstück angerichtet, bei dem leichten Schiebewind optimale Bedingungen für ein fürstliches Mahl mit belegten Broten, Kaffee und Saft. Nach und nach lässt der Wind dann doch etwas nach, ca. 2sm vor den Molenköpfen der Kaiserfahrt müssen wir den Motor mit dazu nehmen.

Die Kaiserfahrt

Nach einfahrt in den Kanal heißt es dann weiter entspannen, den Pinnenpiloten auf den schnurgeraden Kurs ansetzen und gemütlich die Landschaft ringsum zu betrachten. Die Kaiserfahrt scheint sich anfangs mitten durch einen üppigen Mischwald zu schneiden, jede Menge Reiher, Kormorane, Greifen und sonstiges Gevögel kann man aus nächster nähe bestaunen während man behäbig durch den Kanal tuckert. Letztes Jahr konnten wir sogar Wildschweine am Ufer beobachten! Die unzähligen Seeadler welche über uns kreisen sind dabei schon keine Besonderheit mehr, sind sie doch unser ständiger Begleiter in unserem Revier. Trotzdem toll anzuschauen wie majestätisch die Adler auf Beutefang gehen.
Nach ca. einer Stunde Fahrt durch den Kanal triff man dann auf die Fähre Kasibór <–> Świnoujście. Auf Kanal 13 hören wir polnisches Gebrabbel, ein sicheres Zeichen für uns, dass die Fähren bald ablegen. Wie eigentlich jedes mal treffen wir genau zu dem Zeitpunkt ein, als die Fähren gerade ablegen – wir hegen den Verdacht, dass die Kapitäne nur auf die Sportschifffahrt warten um dann den Weg für kurze Zeit zu blockieren…

Nach sicherem passieren der Fährverbindung erscheinen nach der nächsten Kurve der Świna dann die Kräne des Seehafens von Swinemünde. Was uns direkt auffällt: die einst sehr markanten, weiß-roten Hochspannungsmasten welche über den Kanal ragten sind nichtmehr da! Letztes Jahr war uns schon aufgefallen, dass nur noch die Masten ohne Hochspannungsleitung an den Ufern standen, nun haben die Polen wohl Nägel mit Köpfen gemacht und die Masten komplett demontiert.

Gegen 16:30 machen wir an Schwengel 10 fest und genießen den Blick auf die Marina sowie den Fährhafen. Die Bezahlung der Hafengebühr war mal wieder ein Abenteuer, eigentlich sollte man doch erwarten, dass das Personal in so einer großen Marina mit vielen internationalen Gästen des englischen mächtig ist… Aber bis auf ein Paar Bruchstücke beschränkt sich die Kommunikation doch eher auf Hände und Füße. Haben wir aber schon häufiger festgestellt, dass gerade die Polen im nordöstlichen Grenzgebiet zu Deutschland kaum deutsch oder englisch sprechen können (oder wollen, wer weiß..).

Marina Świnoujście

Direkt von unserem Liegeplatz können wir nun das Ein- und Auslaufen der großen Fähren von TT-Lines, POLFerries und Unity Line beobachten, da kommt schon ein wenig Hochseefeeling auf! Gerade deshalb sind wir gern mal in Świnoujście zu Gast. Beim Beineverteten im Hafen entdecken wir noch die uns bekannten Segelyachten ELISE und PEYSER BULLE – wie das eben so ist, man schafft es sich das ganze Jahr im Heimatrevier nicht zu treffen, aber kaum fährt man ins Ausland, schon trifft man alle wieder!

Nach einer ruhigen Nacht geht es dann Sonntag morgen zurück Richtung Heimathafen, gefühlt entleert sich zwischen 9 und 10 Uhr der gesamte Marina, alle Crews zieht es bei den optimalen Bedingungen raus auf die Ostsee oder gen Süden aufs Haff. In der Kaiserfahrt kommt dann Sven mit seiner Elise längsseits, und wir schnacken ein wenig bis wir unter Motor die Molenköpfe erreichen. Der Blick aufs Haff verheißt gutes, der Wind steht gut. Nach einer knappen Stunde haben wir erst den PEYSER BULLE, später dann auch die ELISE unter segeln wieder eingeholt und segeln zusammen gen Westen. 

Wieder zuhause

Nach knapp 7h Segeln und 57sm im Kielwasser erreichen wir wieder unseren Heimathafen, entspannt und vollgetankt mit neuer Energie für die anstehende Arbeitswoche.

 

Endzeit

Endzeit

Die letzten Tage ging es von Stralsund über Gustow auf Rügen in die heimischen Gewässer mit Stopps in Kröslin, Stagnieß (Achterwasser) und dem Stammankerplatz an der Peene.

Dabei ist das Wetterlage wechselhafter, aber es gibt deutlich weniger bodennahe Thermikblasen und konstanteren Wind. Langsam stellt sich eine Westkomponente ein die zwar für mehr Feuchtigkeit aber ruhigere Welle sorgt. Gute Bedingungen für Schweden und die skandinavischen Anrainer. Vergessen wir das lieber schnell wieder… .

Die Ruhe im Blog liegt nicht nur an der spärlichen Internetabdeckung sondern auch an einer bewussten Abgrenzung. Das Leben an Bord wird zum Alltag. Empfang für Radio, Internet, Telefon & Co. gibt es teilweise nicht. Es steckt dermaßen an, dass man sich auch schnell daran gewöhnt. Dabei hat man erstaunlich viel Kontakt zu Subjekten aus Fleisch und Blut. Überhaupt sind die Segler in der Region dermaßen entspannt und kontaktfreudig, dass schnell mal die Nacht zum Tage wird, manchmal auch katerreich.

Stattliche Villen und Herrenhäuser aus der Fürstenzeit um 1800 säumen die Residenzstadt Putbus. In den Gassen riecht es nach Kohle, hört es Zischen und Pfeifen. Der Rasende Roland dampft munter durch die Kaiserbäder. Überhaupt glaubt man kaum, in diesem perfekten Deutschland zu sein, wo der Profit und die absolute Leistungsfähigkeit im Vordergrund steht. Hier ticken die Uhren anders. Sympathisch.

Von Seemeile zu Seemeile stellt sich ein eigenartiges Gefühl ein. Die Zeit auf dem Wasser ist dermaßen ereignisreich und intensiv, dass man kein Zeitgefühl kennt. Wilfried Erdmann beschreibt es einfach als „oberherrlich“. Vermutlich trifft es das.

Laues Lüftchen & Stralsund

Laues Lüftchen & Stralsund

Was ein Segeltag! Bei viel Sonne und lauer Briese geht es mit Kurs Süd Richtung Stralsund. Am Horizont zeichnet sich schon beim Auslaufen von Schaprode die Silhouette der alten Hansestadt ab. Ein toller Anblick.

Recht platt vor dem Wind machen wir gut Fahrt durch den Strelasund. Trotz kleiner Lauf- und Segelfläche (nur kleine Fock, zu faul Vorsegel zu wechseln) rennt Ahti auch bei Schwachwind 1-2bft so manchen Großen davon.

Überholmanöver im schmalen Fahrwasser wollen gut überlegt sein. Droht Versatz, kommt Gegenverkehr? Anders wie beim Auto kann man seine Geschwindigkeit schwer regulieren. Abbremsen geht noch. Mehr Fahrt dann nur über Motor. Aber selbst der bringt mit 9PS nicht viel. Außerdem wollen wir ihn nicht zuschalten.

7sm vor Stralsund schläft der Wind komplett ein. Wir lassen uns nur noch vom Strom treiben und dümpeln in der Sonne. Absolute Stille. Im Tiefflug patrouilliert die Küstenwache mit Do228. Später müssen wir Halsen, damit wir den Stadthafen erreichen. Macht aber Spaß.

Im Stadthafen drehen wir eine Ehrenrunde vor der alten Gorch Fock und machen eine kleine Stadtrundfahrt. Viel Freiheit auf dem Wasser. Stralsund und Wismar sind für uns mit Abstand die schönsten Hansestädte. Jetzt Anreise nur unter Segel – wollten schon lange mal auf eigenem Kiel hin.

Die ganze Welt liegt hier, auch eine Crew aus Australien. Was ein Flair. Suchen uns einen Platz im vollen Hafen mit Bug Richtung West. Es soll in der Nacht Starkwind geben und Freitag über andauern. Was er auch tut. Böen fallen ein, reißen am Mast. Sind aber sicher vertäut. Morgen ist der Spuk vorbei.

Hiddensee – Schaprode

Hiddensee – Schaprode

Nach einer langen Periode wolkenloser Tage hat es sich etwas zugezogen und der Wind kommt aus West mit 4-5bft. Trotzdem wollen wir weiter.

Das Fahrwasser hat uns wieder volle Aufmerksamkeit abverlangt. Die Begegnung mit den Fähren wird wohl nie zur Routine. Schaprode ist der westlichste Ort auf Rügen und nicht weit von Hiddensee. Dafür aber ähnlich anspruchsvoll. Hier erlaubt es auch nur ein sehr schmales Fahrwasser in den Hafen einzulaufen. Fährbetrieb und Strömung machen es nicht einfacher.

Die Hafenanlage liegt genau im Schaproder Strom. Er kann sehr unangenehm werden, da man mit wenig Fahrt über Grund an Fingerstegen festmachen muss. Dafür aber sehr idyllisch und ein schöner Ort. Im Gegensatz zu Hiddensee sind wir hier fast alleine. Eigentlich schade, dass wir hier nur über eine Nacht bleiben können.

Eine andere Welt: Hiddensee

Eine andere Welt: Hiddensee

Die Sonne knallt, es ist heiß, es riecht nach Fichten und Ginster. Man fühlt sich wie in einer anderen Welt. Obwohl Rügen nur ein Steinwurf entfernt ist, gibt es hier eine ganz andere Vegetation und Landschaft. Überhaupt unterscheiden sich die Landstriche extrem.

Auf Hiddensee findet man eine Vielzahl an Pflanzen und Vögeln, die es im Rest von Mitteleuropa kaum noch gibt. Hier scheint das Jahr über so viel Sonne und so wenig Schatten, dass sich hier viele Arten von der roten Liste durchsetzen und halten konnten.

Ihre Vergangenheit lässt sich nicht leugnen. Warum auch?! Hier treffen tolle Reetdächer und Prachtanlagen auf DDR Charme. Genau die Mischung macht die Insel aus.

Der Strand auf der NW-Flanke und der Dornbusch mit seinem Leuchtturm im Norden sind tolle Fotomotive. Yachten Ankern vor dem Strand und Tendern zur Insel rüber.

Die Sichten reichen bis Dänemark (Klintholm). Die Fähren spucken die Tagestouristen im Stundentakt aus. Eine Armada an fragwürdigen Charakteren durchstreift die Insel. Langsam ab 17 Uhr kehrt Ruhe ein.