Qual der Wahl

Qual der Wahl

Wind und Welle haben nachgelassen. Sitzen bis tief in die Nacht an Bord der Haithabu. Weiter nach Norden oder relaxt um Rügen, Hiddensee und den Stelasund? Schwere Entscheidung. Bis Südschweden würden wir es morgen problemlos schaffen. Und dann? Hanöbucht fällt raus. Zu hektisch für die verbleibende Zeit. Müssen ja leider wieder zurück. Wollen grillen, ankern, mit Dax (dem Dingi) durch die Bodden paddeln, baden und abschalten. Wir werden sehen.

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Im Geschwindigkeitsrausch per Pedale

Im Geschwindigkeitsrausch per Pedale

Heute haben wir uns zwei komfortable Fahrräder geliehen. Dabei 40km in 3 Stunden abgeritten. Glowe – Kap Arkona & zurück. 20km in 1,5 Stunden! Strammer Tritt. Ganz oder gar nicht. 18 Uhr Rückgabe der Räder.

Wir sind begeistert! Im Gegensatz zum Voranschreiten mit Wind und Segel sprengt es unser Zeitgefühlt. Hektik bricht aus. Landschaften ziehen an einem vorbei. Es scheint, als würde der Raum dreidimensional werden.

Dabei begeistern Land und Leute. Wo selbst die Jugend grüßt, danke und bitte sagt, einen schönen Tag wünscht… ja, da scheint die Welt in Ordnung. Mit Bierkästen und Grillgut auf dem Rad treibt es viele an den Strand. Sonnenuntergang nicht verpassen! Und landschaftlich? Tja. Gott scheint am ersten Tag seiner Schaffenszeit diese Ecke noch mit Liebe gestaltet zu haben.

Angebot der Wetterküche: Blumenkohl mit Hack

Angebot der Wetterküche: Blumenkohl mit Hack

Wie es der Titel schon vermuten lässt, dass Wetter schmeckt nicht!

Am Morgen um 4 Uhr in der Früh sind wir schon wach und haben die Lage für die Überfahrt nach Ystad abgesteckt. Bei 50sm sollten Wind und Welle passen.

Am Horizont zeichnet sich eine Gewitterfront ab. Der DWD hat kurzfristig eine Wetterwarnung (Gewitter mit Starkböen für Rügen) herausgegeben. Doch so recht mögen wir es nicht glauben und halten uns bereit. Gute 20min. später wird die Warnung aufgehoben und man kann zusehen, wie die Gewitter einfallen. Erstaunlich, wie genau teilweise der Forecast sein kann.

Gegen 6 Uhr laufen wir aus, bisher die Einzigen. Doch nach der Ausfahrt folgen uns 2 Crews. „Wenn die es schaffen, dann wir auch“. Denkste! Durch den Wind aus Ost müssen wir erst einmal aus der Preroer Wiek freikommen und abfallen => Zeitverlust und deutlich mehr Strecke. Schnell wird klar, die Welle ist Mist!

Aufgewühlt vom Wind der letzten Tage rollt sie unermüdlich und ungebremst aus dem tiefen Osten. Dünung aus den Tagen zuvor steht noch und vermischt sich mit der Welle des etwas ruhigeren Windes heute. Wir kämpfen. Nicht nur gegen die Welle, auch mental. Erster Rückschlag der Etappe.

Schnauze voll. Überlegen wieder umzudrehen. Der Blick auf Rügen und der Kreidefelsen wirkt nicht aufheiternd. Derweil steigt der Bootsmann zum Steuermann auf. Gründe hierfür bleiben unter Verschluss.

Probieren uns frei vom Land zu machen. Welle wirft uns hin und her. Segel schlagen, ständig muss darauf geachtet werden, dass wir nicht zu sehr feststampfen. Mast und Rigg schonen. Schnell wird klar, Schweden & Co ade.

Gut, wir haben noch zwei Wochen. Der Wind soll sich beruhigen. Aber die Welle schwellt einige Tage nach. Das wird nix. Außerdem soll es zum Ende der Woche schwachwindiger und umlaufend werden. Keine Lust in Hektik auszubrechen nur um das gesetzte Ziel zu erreichen. Dennoch Frust.

Derweil bieten sich zwei Ablaufhäfen im NO von Rügen und südlich von Kap Arkona an. Lohme und Glowe. Lohme kennen wir schon vom Landgang. Die Einfahrt ist eng und die Welle steht 90° zum Fahrwasser. Wir wollen es nicht riskieren. Zu heikel. Strandung? Ab nach Glowe.

Schlussendlich kommt Tromper Wiek in Sicht. Die letzte Etappe unter raumem Wind war recht angenehm, da wir schön auf der Welle surfen konnten. Die Einfahrt ist nicht ohne. Der Wind schiebt uns achtern an und es rollt unaufhörlich. Segel müssen aber runter, sonst drohen wir durch den Drift an der Leeseite der Einfahrt aufzulaufen.

Im Hafen selbst: Ruhe! Endlich. Aber wo finden wir passende Boxen?! Alle zu lang und zu breit. Zwar wenig Schwell im Becken, dafür drückt der Wind. Wir machen längsseits an einem Fingersteg fest. Aber es fehlt eine Klampe zum festmachen! Wir zurren uns provisorisch fest. Die Stimmung im Keller! Erstmal schlafen.

Nach einem kurzen Rundgang im Hafen ermutigt ein netter und hilfsbereiter Gastlieger aus Meppen (mit einer NAB 32 – er wartet seit einer Woche auf den richtigen Wind für Stockholm) zum Verholen. Gesagt getan, reibungslos. Überhaupt schweißt so was zusammen.

Eindrücke wie: „Einheimische Bootsfreunde sind hochnäsig und eingebildet“ können wir nicht teilen. Vielleicht liegt es an dem Segelrevier und der Abgeschlagenheit. Viele Einhand unterwegs. Bis jetzt nur nette Leute.

Minuten später fällt die Anspannung ab. Nach dem Landgang kommt Freude auf. Sandstand, Strandkörbe und ein verdammt idyllischer Hafen. Es riecht nach Meer, Salz in der Luft. Leuchtturm von Arkona vor uns, die Sonne strahlt, es ist warm. Was will man eigentlich mehr?!

Absprung nach Skåne

Absprung nach Skåne

Heute wurden mit den anderen Seglern im Klönschnack die weiteren Möglichkeiten der Weiterreise abgesteckt. Dabei werden Erfahrungen und Tips ausgetauscht. Alle warten auf den Absprung morgen. Es liegt eine tolle Stimmung im Hafen. Ist ja alles schön und gut hier, aber es juckt einfach wieder in den Fingern. Wer rastet, der rostet. Einige wollen auch in die Richtung, man wird sich die Tage vielleicht wiedersehen.

Am frühen Morgen zwischen 4 / 5 Uhr wollen wir nach Skåne (Südschweden) auslaufen. Den Wind aus O – NO können wir gut nutzen. Welcher Anlaufpunkt es genau wird, werden wir dann sehen. Mi Kurs Nord ergibt sich einen halben Wind. Somit bleibt  viel Puffer zum Abfallen. Bornholm wäre vom gesetzten Kurs NO zu spitz und könnte uns ziemlich ausbremsen.

Die Bilder zeigen der Reihe nach den Durchzug der schweren Gewitterfront mit Rückseite schnell aufklarend von vorgestern, welche aus Süd hochgezogen ist. Sie hat uns nur gestreift, mit kaum Niederschlag. Das Hoch über Skandinavien hält uns frei. Abends regnet es sich lokal etwas aus, tagsüber Sonne satt, dabei mollig warm. Es soll uns bis zum Ende begleiten. Hoffentlich bleibt es dabei.

Bis die Tage, mal sehen, ab wann der nächste Internetzugang bezahlbar und möglich ist. Tschüss Sassnitz, ett war dufte!

Das Wandern ist des Müllers Lust

Das Wandern ist des Müllers Lust

Die Waden schmerzen, das Herzchen lacht. Da ist man auf einer Insel und muss sich durch hüglige Buchenwälder schlagen. Aber es hat sich gelohnt. Ein Muss für jeden, der auf Rügen ist. Einmal durch den Jasmunder Nationalpark wandern. Einmalig. Wasserläufe, steile Klippen, Abbruchkanten, dichte Wälder direkt an den Steilhängen. Sowas gibt es in der Form nicht noch einmal. Nicht umsonst UNESCO Weltkulturerbe.

Gestern schon etwas Blut geleckt, sind wir heute die gut 15km von Lohme nach Sassnitz gelaufen. Der Bus hat uns bis zum Startpunkt gebracht. Übrigens: hier scheinen die nettesten Menschen zu leben. Man kommt schnell in Kontakt. Wahrscheinlich liegt es an den Sonnenstunden. Im Jahresschnitt bekommt keiner mehr ab, als die Insulaner auf Rügen.

Der Weg führt genau an der Steilküste entlang. Man hört das Meeresrauschen, während man noch durch den Wald stampft und dabei 150m Höhenmeter überwindet. Teilweise ist er sehr urig und naturbelassen. Es führen aber auch Holzbrücken durch den Jasmund. Erstaunlich auch, wie dicht man an die Abbruchkanten kommt. Achso… ab der Hälfte hat der Körper gestreikt. Aber der Wille war stark. Es rächt sich, Bewegung ist für die nächsten 12h ausgeschlossen.