Eine andere Welt: Hiddensee

Eine andere Welt: Hiddensee

Die Sonne knallt, es ist heiß, es riecht nach Fichten und Ginster. Man fühlt sich wie in einer anderen Welt. Obwohl Rügen nur ein Steinwurf entfernt ist, gibt es hier eine ganz andere Vegetation und Landschaft. Überhaupt unterscheiden sich die Landstriche extrem.

Auf Hiddensee findet man eine Vielzahl an Pflanzen und Vögeln, die es im Rest von Mitteleuropa kaum noch gibt. Hier scheint das Jahr über so viel Sonne und so wenig Schatten, dass sich hier viele Arten von der roten Liste durchsetzen und halten konnten.

Ihre Vergangenheit lässt sich nicht leugnen. Warum auch?! Hier treffen tolle Reetdächer und Prachtanlagen auf DDR Charme. Genau die Mischung macht die Insel aus.

Der Strand auf der NW-Flanke und der Dornbusch mit seinem Leuchtturm im Norden sind tolle Fotomotive. Yachten Ankern vor dem Strand und Tendern zur Insel rüber.

Die Sichten reichen bis Dänemark (Klintholm). Die Fähren spucken die Tagestouristen im Stundentakt aus. Eine Armada an fragwürdigen Charakteren durchstreift die Insel. Langsam ab 17 Uhr kehrt Ruhe ein.

Wechselbad der Gefühle

Wechselbad der Gefühle

Liegen in Kloster auf Hiddensee. Wieder um viele fachlicher und persönlicher Erfahrungen reicher. Phasen von Respekt, Unsicherheit aber auch anschließender Erleichterung, Stolz und Selbstbewusstsein ziehen sich durch den Törn heute.

Bei 4-5bft sind wir heute in Glowe ausgelaufen. Kurz nach der Mole rollt Ahti wieder durch See. Welle genau Luv. Böen zerren an den Segeln. Fahren 1. Reff. Im Tromper Wiek baut sich wieder die unangenehme Welle auf. Einfach unschön. Wie im Windkanal drückt der Wind in das Kap. Berüchtigt. Wir lernen dazu. Kein einfaches Revier. Wollen umdrehen.

Haben Mühe Höhe zu gewinnen. Nerven liegen wieder blank. Schließlich gelingt es uns um das Kap zu kommen. Wie von Geisterhand stellt sich Ruhe ein. Geben Poseidon, Neptun, Rasmus & Co ein Prosit. Wir surfen raumschots an Rügen vorbei. Das Wasser dabei dunkelblau. Was ein Anblick. Die Musicbox spielt Buena Vista Social Club. Fernweh, Freiheit. Sichten Containerschiffe. Einfach geil. Es hat sich gelohnt.

Später tauchen Fregatten der Deutschen Marine auf. Ein erhabenes Gefühl, derzeit sind die Jungs ziemlich aktiv. Kein Tag ohne eine Sichtung. Übungsgebiete der U-Boot-Flotte um Rügen mit Begleitschiffen. Subjektive Sicherheit.

Schließlich kommt der Leuchtturm Dornbusch auf Hiddensee in Sicht. Biegen parallel mit einem Landungsboot der Marine in das Fahrwasser.

Die Untiefen um Hiddensee und Rügen sind berühmt. Viele Wracks bilden die Seekarten. Flache und gefährliche Sandbänke. Wir müssen uns genau an die Tonnen halten und dabei den Drift der Strömung im Auge behalten. Dicht neben uns stehen Vögel auf Grund. Verrückt. Seeadler fliegen tief an uns vorbei. Einfach nicht zu beschreiben.

Volle Konzentration beim Anlaufen von Vitte und Kloster. Eine Begegnung mit der Fähre gab uns kurz vor dem Ende weiche Knie. Wir fahren nicht einmal 1m an ihr vorbei, mehr Platz gibt es nicht! Schnellboote (Wassertaxis der FBM Werften mit 254PS) schießen an uns mit viel Schwell vorbei. Dabei ist das Fahrwasser so eng, dass man schnell auf eine Sandbank auflaufen kann. In der Saison ist die DGzRS viel mit Schleppeinsätzen beschäftigt. Wir erfahren es nun am eigenen Leib bei viel Strömung und Wind von der Seite. Nicht ohne.

Das Anliegen bei tiefstehender Sonne mit Wind von Achtern. Es läuft sehr gut. Bier zischt im Cockpit. Sind etwas stolz. Schauen uns die Insel in Ruhe an. Bis dann!

Qual der Wahl

Qual der Wahl

Wind und Welle haben nachgelassen. Sitzen bis tief in die Nacht an Bord der Haithabu. Weiter nach Norden oder relaxt um Rügen, Hiddensee und den Stelasund? Schwere Entscheidung. Bis Südschweden würden wir es morgen problemlos schaffen. Und dann? Hanöbucht fällt raus. Zu hektisch für die verbleibende Zeit. Müssen ja leider wieder zurück. Wollen grillen, ankern, mit Dax (dem Dingi) durch die Bodden paddeln, baden und abschalten. Wir werden sehen.

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Im Geschwindigkeitsrausch per Pedale

Im Geschwindigkeitsrausch per Pedale

Heute haben wir uns zwei komfortable Fahrräder geliehen. Dabei 40km in 3 Stunden abgeritten. Glowe – Kap Arkona & zurück. 20km in 1,5 Stunden! Strammer Tritt. Ganz oder gar nicht. 18 Uhr Rückgabe der Räder.

Wir sind begeistert! Im Gegensatz zum Voranschreiten mit Wind und Segel sprengt es unser Zeitgefühlt. Hektik bricht aus. Landschaften ziehen an einem vorbei. Es scheint, als würde der Raum dreidimensional werden.

Dabei begeistern Land und Leute. Wo selbst die Jugend grüßt, danke und bitte sagt, einen schönen Tag wünscht… ja, da scheint die Welt in Ordnung. Mit Bierkästen und Grillgut auf dem Rad treibt es viele an den Strand. Sonnenuntergang nicht verpassen! Und landschaftlich? Tja. Gott scheint am ersten Tag seiner Schaffenszeit diese Ecke noch mit Liebe gestaltet zu haben.

Angebot der Wetterküche: Blumenkohl mit Hack

Angebot der Wetterküche: Blumenkohl mit Hack

Wie es der Titel schon vermuten lässt, dass Wetter schmeckt nicht!

Am Morgen um 4 Uhr in der Früh sind wir schon wach und haben die Lage für die Überfahrt nach Ystad abgesteckt. Bei 50sm sollten Wind und Welle passen.

Am Horizont zeichnet sich eine Gewitterfront ab. Der DWD hat kurzfristig eine Wetterwarnung (Gewitter mit Starkböen für Rügen) herausgegeben. Doch so recht mögen wir es nicht glauben und halten uns bereit. Gute 20min. später wird die Warnung aufgehoben und man kann zusehen, wie die Gewitter einfallen. Erstaunlich, wie genau teilweise der Forecast sein kann.

Gegen 6 Uhr laufen wir aus, bisher die Einzigen. Doch nach der Ausfahrt folgen uns 2 Crews. „Wenn die es schaffen, dann wir auch“. Denkste! Durch den Wind aus Ost müssen wir erst einmal aus der Preroer Wiek freikommen und abfallen => Zeitverlust und deutlich mehr Strecke. Schnell wird klar, die Welle ist Mist!

Aufgewühlt vom Wind der letzten Tage rollt sie unermüdlich und ungebremst aus dem tiefen Osten. Dünung aus den Tagen zuvor steht noch und vermischt sich mit der Welle des etwas ruhigeren Windes heute. Wir kämpfen. Nicht nur gegen die Welle, auch mental. Erster Rückschlag der Etappe.

Schnauze voll. Überlegen wieder umzudrehen. Der Blick auf Rügen und der Kreidefelsen wirkt nicht aufheiternd. Derweil steigt der Bootsmann zum Steuermann auf. Gründe hierfür bleiben unter Verschluss.

Probieren uns frei vom Land zu machen. Welle wirft uns hin und her. Segel schlagen, ständig muss darauf geachtet werden, dass wir nicht zu sehr feststampfen. Mast und Rigg schonen. Schnell wird klar, Schweden & Co ade.

Gut, wir haben noch zwei Wochen. Der Wind soll sich beruhigen. Aber die Welle schwellt einige Tage nach. Das wird nix. Außerdem soll es zum Ende der Woche schwachwindiger und umlaufend werden. Keine Lust in Hektik auszubrechen nur um das gesetzte Ziel zu erreichen. Dennoch Frust.

Derweil bieten sich zwei Ablaufhäfen im NO von Rügen und südlich von Kap Arkona an. Lohme und Glowe. Lohme kennen wir schon vom Landgang. Die Einfahrt ist eng und die Welle steht 90° zum Fahrwasser. Wir wollen es nicht riskieren. Zu heikel. Strandung? Ab nach Glowe.

Schlussendlich kommt Tromper Wiek in Sicht. Die letzte Etappe unter raumem Wind war recht angenehm, da wir schön auf der Welle surfen konnten. Die Einfahrt ist nicht ohne. Der Wind schiebt uns achtern an und es rollt unaufhörlich. Segel müssen aber runter, sonst drohen wir durch den Drift an der Leeseite der Einfahrt aufzulaufen.

Im Hafen selbst: Ruhe! Endlich. Aber wo finden wir passende Boxen?! Alle zu lang und zu breit. Zwar wenig Schwell im Becken, dafür drückt der Wind. Wir machen längsseits an einem Fingersteg fest. Aber es fehlt eine Klampe zum festmachen! Wir zurren uns provisorisch fest. Die Stimmung im Keller! Erstmal schlafen.

Nach einem kurzen Rundgang im Hafen ermutigt ein netter und hilfsbereiter Gastlieger aus Meppen (mit einer NAB 32 – er wartet seit einer Woche auf den richtigen Wind für Stockholm) zum Verholen. Gesagt getan, reibungslos. Überhaupt schweißt so was zusammen.

Eindrücke wie: „Einheimische Bootsfreunde sind hochnäsig und eingebildet“ können wir nicht teilen. Vielleicht liegt es an dem Segelrevier und der Abgeschlagenheit. Viele Einhand unterwegs. Bis jetzt nur nette Leute.

Minuten später fällt die Anspannung ab. Nach dem Landgang kommt Freude auf. Sandstand, Strandkörbe und ein verdammt idyllischer Hafen. Es riecht nach Meer, Salz in der Luft. Leuchtturm von Arkona vor uns, die Sonne strahlt, es ist warm. Was will man eigentlich mehr?!