Bilanz ziehen

Bilanz ziehen

Die Aufgaben des Kapitäns enden nicht mit verlassen des Schiffes. Deshalb habe ich gestern mal unser Logbuch der letzten 3 Wochen analysiert und eine kleine Statistik des Törns aufbereitet – nicht weil ich es muss, sondern weil ich Freude daran habe.

Eins vorweg: Uns geht es beim Segeln nicht um sportliche Aspekte sondern haben einfach Spaß am Unterwegssein. Deswegen sind zurückgelegte Distanzen, Höchstgeschwindigkeiten usw. ziemlich zweitrangig, denn im Vordergrund steht der Spaß, die Entspannung und das Sammeln von Erfahrungen.
Dennoch ist es immer nett wenn man nach Abschluss eines größeren zusammenhängenden Törns einmal Bilanz ziehen kann.

Hier also nun die Fakten:

Anzahl der Urlaubstage: 23 Tage
Anzahl der Tage Unterwegs: 11 Tage

Stunden Unterwegs: 61:10h
Davon unter Segeln: 37:04h
Davon unter Motor: 24:06h
Ergibt in Prozent ausgedrückt ein Verhältnis von 60,6% zu 39,4% (Segel/Motor)
Ø Stunden pro Fahrt: 05:33h
Ø Motorstunden pro Fahrt: 2:11h

Summe der Meilen: 240nm
Ø Meilen pro Fahrt: 21,8nm
Ø Geschwindigkeit in den 3 Wochen: 3,81kts
Max. Geschwindigkeit in den 3 Wochen: 7,1kts (Rekord!)

Ø Abfahrtszeit in den 3 Wochen: 10:40
Ø Ankunftszeit in den 3 Wochen: 16:14

Wie man sieht waren es sehr gemütliche und relaxte 3 Wochen Segelurlaub. Weder die Strecke noch die Tage unterwegs beeindrucken sonderlich. Aber es sollte ja keine Rekordfahrt sein – denn um so größer die Entspannung im Urlaub desto länger hält die gewonnene Entspannung auch im Alltag vor!

Endzeit

Endzeit

Die letzten Tage ging es von Stralsund über Gustow auf Rügen in die heimischen Gewässer mit Stopps in Kröslin, Stagnieß (Achterwasser) und dem Stammankerplatz an der Peene.

Dabei ist das Wetterlage wechselhafter, aber es gibt deutlich weniger bodennahe Thermikblasen und konstanteren Wind. Langsam stellt sich eine Westkomponente ein die zwar für mehr Feuchtigkeit aber ruhigere Welle sorgt. Gute Bedingungen für Schweden und die skandinavischen Anrainer. Vergessen wir das lieber schnell wieder… .

Die Ruhe im Blog liegt nicht nur an der spärlichen Internetabdeckung sondern auch an einer bewussten Abgrenzung. Das Leben an Bord wird zum Alltag. Empfang für Radio, Internet, Telefon & Co. gibt es teilweise nicht. Es steckt dermaßen an, dass man sich auch schnell daran gewöhnt. Dabei hat man erstaunlich viel Kontakt zu Subjekten aus Fleisch und Blut. Überhaupt sind die Segler in der Region dermaßen entspannt und kontaktfreudig, dass schnell mal die Nacht zum Tage wird, manchmal auch katerreich.

Stattliche Villen und Herrenhäuser aus der Fürstenzeit um 1800 säumen die Residenzstadt Putbus. In den Gassen riecht es nach Kohle, hört es Zischen und Pfeifen. Der Rasende Roland dampft munter durch die Kaiserbäder. Überhaupt glaubt man kaum, in diesem perfekten Deutschland zu sein, wo der Profit und die absolute Leistungsfähigkeit im Vordergrund steht. Hier ticken die Uhren anders. Sympathisch.

Von Seemeile zu Seemeile stellt sich ein eigenartiges Gefühl ein. Die Zeit auf dem Wasser ist dermaßen ereignisreich und intensiv, dass man kein Zeitgefühl kennt. Wilfried Erdmann beschreibt es einfach als „oberherrlich“. Vermutlich trifft es das.

Laues Lüftchen & Stralsund

Laues Lüftchen & Stralsund

Was ein Segeltag! Bei viel Sonne und lauer Briese geht es mit Kurs Süd Richtung Stralsund. Am Horizont zeichnet sich schon beim Auslaufen von Schaprode die Silhouette der alten Hansestadt ab. Ein toller Anblick.

Recht platt vor dem Wind machen wir gut Fahrt durch den Strelasund. Trotz kleiner Lauf- und Segelfläche (nur kleine Fock, zu faul Vorsegel zu wechseln) rennt Ahti auch bei Schwachwind 1-2bft so manchen Großen davon.

Überholmanöver im schmalen Fahrwasser wollen gut überlegt sein. Droht Versatz, kommt Gegenverkehr? Anders wie beim Auto kann man seine Geschwindigkeit schwer regulieren. Abbremsen geht noch. Mehr Fahrt dann nur über Motor. Aber selbst der bringt mit 9PS nicht viel. Außerdem wollen wir ihn nicht zuschalten.

7sm vor Stralsund schläft der Wind komplett ein. Wir lassen uns nur noch vom Strom treiben und dümpeln in der Sonne. Absolute Stille. Im Tiefflug patrouilliert die Küstenwache mit Do228. Später müssen wir Halsen, damit wir den Stadthafen erreichen. Macht aber Spaß.

Im Stadthafen drehen wir eine Ehrenrunde vor der alten Gorch Fock und machen eine kleine Stadtrundfahrt. Viel Freiheit auf dem Wasser. Stralsund und Wismar sind für uns mit Abstand die schönsten Hansestädte. Jetzt Anreise nur unter Segel – wollten schon lange mal auf eigenem Kiel hin.

Die ganze Welt liegt hier, auch eine Crew aus Australien. Was ein Flair. Suchen uns einen Platz im vollen Hafen mit Bug Richtung West. Es soll in der Nacht Starkwind geben und Freitag über andauern. Was er auch tut. Böen fallen ein, reißen am Mast. Sind aber sicher vertäut. Morgen ist der Spuk vorbei.

Hiddensee – Schaprode

Hiddensee – Schaprode

Nach einer langen Periode wolkenloser Tage hat es sich etwas zugezogen und der Wind kommt aus West mit 4-5bft. Trotzdem wollen wir weiter.

Das Fahrwasser hat uns wieder volle Aufmerksamkeit abverlangt. Die Begegnung mit den Fähren wird wohl nie zur Routine. Schaprode ist der westlichste Ort auf Rügen und nicht weit von Hiddensee. Dafür aber ähnlich anspruchsvoll. Hier erlaubt es auch nur ein sehr schmales Fahrwasser in den Hafen einzulaufen. Fährbetrieb und Strömung machen es nicht einfacher.

Die Hafenanlage liegt genau im Schaproder Strom. Er kann sehr unangenehm werden, da man mit wenig Fahrt über Grund an Fingerstegen festmachen muss. Dafür aber sehr idyllisch und ein schöner Ort. Im Gegensatz zu Hiddensee sind wir hier fast alleine. Eigentlich schade, dass wir hier nur über eine Nacht bleiben können.